Bistum Erfurt

154.000 Katholiken verteilt auf 12.000 Quadratkilometer. Die reinen Fakten weisen das Bistum Erfurt nicht gerade als katholische Hochburg aus. Und dennoch: Der Glaube ist in Thüringen fest verwurzelt und kann eine viele Jahrhunderte alte, lebendige Tradition aufweisen.

Lange Glaubenstradition

Die Geschichte des katholischen Glaubens in Thüringen beginnt weit vor der Gründung des Bistums Erfurt im Jahr 742 durch den Heiligen Bonifatius. Um die ersten, von den Franken bereits missionierten Christen stärker in die kirchliche Ordnung einzubinden, gründete Bonifatius das Bistum Erfurt. Doch schon im Jahr 755 verlor das Gebiet seinen Status: Es fiel an das Bistum Mainz und wurde von dort aus mehr als 1.000 Jahre geleitet.

Durch die Reformation änderte sich das katholisch-christliche Glaubensleben in Thüringen tiefgreifend: Die meisten Thüringer wurden protestantisch. Nur im Eichsfeld, einem Landstrich im Nordwesten Thüringens, kehrten die Christen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum katholischen Glauben zurück.

Katholisch sein unter schwierigen Vorzeichen

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen hunderttausende Vertriebene aus Schlesien, Ostpreußen und dem Sudetenland nach Thüringen. Die Zahl der Katholiken vervierfachte sich „über Nacht“ und plötzlich lebte eine halbe Million in Thüringen. Doch die Weiterwanderung vieler Flüchtlinge sowie die atheistisch-sozialistisch geprägte DDR verschärften die Minderheitensituation der Katholiken in Thüringen.

Die Teilung Deutschlands erschwerte es den Bischöfen in Würzburg und Fulda zunehmend, mit ihren Diözesangebieten in der DDR in Verbindung zu bleiben. 1929 waren ihnen die katholischen Gemeinden in Thüringen zugeschrieben worden. Es wurde schließlich das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen gegründet, das unter gewissen Einschränkungen auch im totalitären System der DDR die Hauptaufgaben von Kirche erfüllen konnte: das Wort Gottes verkünden und den Glauben lebendig halten.

Mit dem Ende der Teilung zwischen Ost und West wurden auch die kirchlichen Strukturen in der ehemaligen DDR neu geregelt. 1994 schließlich wurde das Bistum Erfurt zum zweiten Mal neu gegründet.

Besondere Aufgaben – besondere Seelsorger

Der Anteil der Katholiken in Thüringen liegt heute bei knapp acht Prozent an der Gesamtbevölkerung, der der katholischen und evangelischen Christen bei rund einem Drittel. Diese doppelte Diaspora-Situation spiegelt sich auch in den pastoralen Angeboten des Bistums Erfurt wieder. Für konfessionslose Jugendliche gibt es seit 1998 die eigens konzipierte „Feier der Lebenswende“. Ungetaufte Jugendliche, die an der Schwelle vom Jugend- zum Erwachsenenalter stehen und nicht an einer von Vereinen angebotenen Jugendweihefeier teilnehmen wollen, vollziehen dabei bewusst den Schritt in den neuen Lebensabschnitt.

1952 wurde mit dem Priesterseminar in Erfurt die einzige theologische Ausbildungsstätte für den Priesternachwuchs auf dem Gebiet der DDR gegründet. Die meisten Priester und Bischöfe der neuen Bundesländer haben hier am Erfurter Seminar studiert.

Elisabeth von Thüringen

Die wohl bekannteste Heilige und zugleich Schutzpatronin Thüringens ist die Heilige Elisabeth. Ihre selbstlose Nächstenliebe im Dienst an den Ärmsten und Kranken macht sie zu einem zeitlosen Vorbild der Solidarität.

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